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27.03.2017

Liebe Gemeinde!

Zum Gottesdienst für den diesjährigen Saisonbeginn in St. Peter-Ording gestatten Sie mir einige persönliche Bemerkungen: St. Peter-Ording ist für mich ein Stück zweite Heimat.


Liebe Gemeinde!
Zum Gottesdienst für den diesjährigen Saisonbeginn in St. Peter-Ording gestatten Sie mir einige persönliche Bemerkungen:
St. Peter-Ording ist für mich ein Stück zweite Heimat.

 

Ich war bisher 15mal hier. Ich besuche die Kirchengemeinde und bringe mich in Predigten und jeweils einem Gemeindekreis ein. Ich mag die St. Peter Kirche – wie die anderen alten Kirchen Eiderstedts – als Raum zum Abschalten und Ort des Auftankens. Sie sind tagsüber zugänglich, das schätze ich sehr. Die lutherischen Gottesdienste und die kirchenmusikalischen Veranstaltungen besuche ich gern, sie haben mich schon 2002 als Kurgast angelockt. Und dann eine bestimmte Bank in den Dünen, ein schöner Ausblick, ein Lieblingscafé – so ist es immer wieder ein Stück nach Hause kommen!
In der Bibel wird das Thema Urlaub nicht explizit behandelt. In dem Zeitraum von 2000 Jahren, in dem sie entstanden ist, hat man die Trennung von Arbeit und Freizeit nicht im Blick. Arbeit begleitet das ganze Leben, auf ihr ruht Gottes Segen.
Die Menschen der biblischen Zeit werden aber nicht so massiv mit zeitlichen Vorgaben bedrängt, wie es seit Mitte des 19. Jahrhunderts geschieht, seit die Maschinen den Takt für die menschliche Arbeit festsetzen. Die globalisierte Welt knüpft daran wieder an, in beiden Fällen gibt es kaum Pausen. Ich nenne nur das Stichwort „ständige Erreichbarkeit“ durch Handy und Mails. Da wird der Wunsch nach Urlaub als „Ausspannen“, „aus der Mühle aussteigen“ (die Begriffe sprechen für sich!) – drängend und unabdingbar. Trotz weniger körperlicher Arbeit wird den Menschen in den Industriestaaten ein Vielfaches an geistig-psychischer Konzentration abverlangt, manchmal zu viel.

Überforderung in der Arbeitswelt und Zur-Ruhe-Finden als Gegenpol, diese neuzeitliche Thematik ist der Bibel aber nicht fremd, sie klingt in vielen Stellen an. Jesus zieht sich z.B. immer wieder für eine Zeit zurück, um nach Predigten und Heilungen neue Kraft zu schöpfen. Die beiden Schwestern Maria und Martha (Lukas 10,38-42) sind sozusagen Prototypen der gegensätzlichen Lebenshaltungen: immerwährend geschäftig sein oder still den Worten Jesu nachspüren. In Markus 4,26-29 soll der Mensch wie ein Sämann seine Arbeit tun, aber dann auch in Ruhe zuwarten, was daraus wird.

„Alles hat seine Zeit“, sagt Prediger 3,1. Wir dürfen unsere Zeit als Gottes Geschenk nehmen, die aktive und die passive. Er schenkt uns das Leben mit seinen Umbrüchen, Festen und Abschieden, mit Alltag und Feiertag, und auch mit den „Ferien“, neuzeitlich gesprochen. An uns ist es, uns diese Zeit auch zu nehmen und sie getrost zu gestalten, mit Arbeit und Ruhe. So dass nicht alles auf einmal geschehen muss (Motto des diesjährigen Themas für „7 Wochen ohne“). So dass wir Phasen der Arbeit und der Ferien finden – und auch letztere nicht vollpacken und durchorganisieren, sonst setzt sich der Stress vom einen im anderen fort.
Der Begründung aller Feier- und Feriengedanken liegt in der biblischen Schöpfungsgeschichte (Genesis 2,2f). Gott selbst tut da seine Arbeit und ruht aus von ihr. Und er gebietet es dem Menschen genauso.
Gottes Zeit feiern! Sobald die Schöpfung fertig ist, hat Gott die Ruhepause geschaffen. Es ist eine gesegnete Zeit, die uns Kraft schöpfen lässt, die uns zu Gott und zu uns selbst führt. Es gibt sie nach wie vor, denn jede Woche hat zumindest einen Sonntag. Gottes Geschichte mit den Menschen beginnt mit einem freien Tag!

Die Seele baumeln lassen und dadurch zufriedener werden – das gilt auch für den Urlaub. Menschen sind mehr als ihre Leistung, sie haben in sich ihren Wert. Und so dürfen wir Sorgen und Hetze einmal unterbrechen (auch das immer Tätigsein im Urlaub!). Vielleicht müssen wir das Auf-uns-Geworfen-Sein erst einmal lernen, aber wir können in der Tiefe Ruhe finden.
Ferien – wann nehme ich mir Zeit für Meditation? Für sportlichen Ausgleich? Wann suche ich den weiten Himmel des Strandspaziergangs? Wie kann ich in der Familie den anderen wieder wahrnehmen und Gemeinschaft entdecken? Wann und wie gebe ich meiner Seele Nahrung und lasse den Geist Atem holen?

Und wann gebe ich Gott die Ruhe, die er braucht, um mir seine Botschaften zu übermitteln? Amen.

Pastorin Koch-Hein ist langjährige Gastpastorin bei uns. Die Predigt hat sie im Festgottesdienst zur Saisoneröffnung am 12. März 2017 gehalten.